Bergbaulexikon:

Diese Bezeichnungen sollen dem Leser als Unterstützung für die in der Bergmannssprache verwendeten Fachausdrücke dienen:

Abteufen

Herstellen oder Vertiefen eines Schachtes

Alter Mann

Verlassener, abgesperrter, versetzter oder zu Bruch geworfener Grubenbau


Anfahren (einfahren)

Sich zur Arbeitsstätte unter Tage begeben

Berge

Gesteinsstücke, die bei der Herstellung von Grubenbauen, der Kohlegewinnung und der Aufbereitung anfallen.

Bergeversatz

In leere Grubenräume verfülltes taubes Gestein

Beschicken

Auffüllen

Bewetterung

Versorgung der Grubenbaue mit Frischluft (Frischwetter)

Blasversatz

Versatzverfahren zum Einbringen von Bergen in den abgebauten Raum mit Hilfe von Druckluft

Blindschacht

Seigerer Grubenbau, der zwei oder mehrere Sohlen miteinander verbindet; Blindschächte reichen nicht bis zur Tagesoberfläche. Sie werden als Gesenk von oben nach unten, selten als Aufbruch von unten nach oben hergestellt.

Bobine

Seiltrommel für bandförmige, flache Förderseile.

Dahlbuschbombe

1955 wurde auf dem Bergwerk Dahlbusch in Gelsenkirchen aus aktuellem Anlass ein Rettungsgerät gebaut, das sich zur Bergung verschütteter Bergleute durch ein Bohrloch hindurch eignete. In Anlehnung an seine Form und an den ersten Einsatz wird diese Art Rettungsgerät seither als Dahlbuschbombe bezeichnet. Besonders spektakulär war der erfolgreiche Einsatz der Dahlbuschbombe 1963 beim Grubenunglück von Lengede. Zwei Wochen nach dem Unglück gelang es seinerzeit verschüttete Bergleute unversehrt aus der Tiefe zu bergen.

Durchschlag

Verbindung eines Grubenraumes mit einem anderen

Durchteufen

Niederbringen eines Schachtes durch Gesteinsschichten

Einband

Befestigung des Förderkorbs am Förderseil

Fahren

Mit fahren bezeichnet der Bergmann das Fortbewegen von einer Stelle unter Tage zur anderen; er geht nicht durch einen Gubenbau, er befährt ihn.

Fahrkunst

Vorrichtung zum Ein- und Ausstieg der Bergleute in Schächten

Fahrturm

Abteilung in einem Schacht, in dem sich die Fahrten (Leitern) befinden

Flotation

Sortierverfahren; das feinkörnige Gemisch von Kohle und Bergen wird durch Wasser, dem schaumbildende Stoffe zugesetzt sind, aufgeschwemmt. Wird Luft durch das Wasser gepresst, steigt die Kohle mit den schaumbläschen nach oben und kann abgeschöpft werden, während die auf die chemische Behandlung nicht ansprechenden Berge nach unter sinken und weggeführt werden.

Flöz

Anhäufung nutzbarer Mineralien in Form einer Schicht; Kohlenablagerung.

Förderberg

Geneigte Strecke, die meist (anstelle eines Blindschachtes) die Aufgaben der Überbrückung der Sohlenabstände und zum Anschluss der Flöze an die Grubenbaue übernimmt.

Förderkorb

Das am Förderseil hängende Gestell (1 bis 4 Tragböden) zur Beförderung von Personen, Förderwagen und Material im Schacht.

Fördermaschine

Einrichtung zur Bewegung der Förderseile und Förderkörbe in Schächten. Die Fördermaschine besteht aus Antrieb und Treibmittel. Nach der Antriebsart unterscheidet man Dampf- und elektrische Fördermaschinen; nach der Ausführung des Seils und des Treibmittels unterscheiden sich Bobinen-, Trommel- und Treibscheiben-Fördermaschinen. Die neben dem Fördergerüst zu ebener Erde stehende Fördermaschine nennt man Flurfördermaschine. Die Fördermaschine über dem Schacht im Förderturm wird Turmfördermaschine genannt.

Füllort

Grubenbau im unmittelbaren Schachtbereich. Im Füllort wird die waagerechte Förderung einer Sohle in die senkrechte Hauptschachtförderung übergeleitet.

Gedinge

Lohnvereinbarung nicht nach vereinbarter Zeit (Schichtlohn), sondern nach geleisteter Arbeit.

Geleucht

Sammelbegriff für die im Untertagebetrieb verwendeten Beleuchtungseinrichtungen

Glück auf!

Der Bergmannsgruß stammt aus dem Erzbergbau und hatte ursprünglich die Bedeutung: „Glück, tu die Gänge auf und nicht zu“. Er war die stets wiederholte Bitte um gute Ausbeute.

Grubenbau

Hergestellter Hohlraum unter Tage

Grubenbild

Bildliche Darstellung der Grubenbaue.

Grubenhund

Kleine, aus Holz gefertigte Förderwagen der bergbaulichen Frühzeit

Hängebank

Das obere Schachtende; liegt etwa 10 bis 15 m über dem Niveau der Erdoberfläche und nimmt bei Gestellförderung auch den Wagenumlauf auf. Im Gegensatz dazu liegt die Rasenhängebank zu ebener Erde.

Kaue

Gebäude in Schachtnähe, in dem sich die Untertageblegschaft einer Zeche umzieht und nach der Schicht waschen kann. Die Kauen werden heute als Schwarzkauen (für die Grubenkleidung) und Weißkauen (für die Straßenkleidung mit dazwischenliegenden Duschräumen eingerichtet.

Koepe-Förderung

Nach dem Erfinder Koepe genannte Treibscheibenförderung. Das Förderseil wird über die Treib- oder Koepe-Scheibe zu den Förderkörben geführt. Die Bewegung der Körbe erfolgt unter Reibung des Förderseils auf der Treibscheibe und nicht durch Aufwickeln des Seils auf eine Trommel. Zum Ausgleich des Seilgewichts und damit zur Verringerung der Gefahr des Seilrutschens ist ein Unterseil unter die Körbe gehängt.

Kohlenarten

Man unterscheidet Anthrazit- und Magerkohle, Esskohle, Fettkohle sowie Gas-, Gasflamm- und Flammkohle. Hauptmerkmal der verschiedenen Kohlenarten ist der Anteil an flüchtigen Bestandteilen, die beim Verkoken freigesetzt werden. Der Anthrazit ist die gasärmste Kohle, gefolgt von der Eß- und Fettkohle. Anthrazit-, Mager- und Esskohle werden u.a. für die Industriefeuerung verwendet. Fettkohle wird für die Herstellung von Koks zur Verhüttung von Erzen gebraucht. Gas-, Gasflamm- und Flammkohle wird vor allem bei der Elektritzitätserzeugung eingesetzt.

Kohlenhobel

Gerät der maschinellen Kohlengewinnung (schälende Methode), das am Kettenkratzerförderer geführt wird. Kohlenhobel werden über Motoren an Haupt- und Hilfsantrieb, die Ketten über Kettenräder antreiben, bewegt.

Kux

Wertpapier der Gesellschafter einer bergrechtlichen Gewerkschaft.

Malakoffturm

Schachtgebäude, die seit Mitte der fünfziger Jahre des 19. Jahrhunderts bis etwa 1880 oft errichtet wurden.

Markscheide

Grenze eines Grubenfeldes

Ort, das (Mehrz. Örter)

Jede Stelle im Bergwerk mit einem bergtechnischen Zweck, das Ende einer Strecke; vor Ort; der Punkt, an dem abgebaut wird.

Pütt

Zeche, Bergwerk, Schachtanlage. Wahrscheinlich abgeleitet vom lateinischen puteus = Grube, Brunnen. Das Wort findet sich schon im Mittelalter in bergbaulichen Urkunden. Kleine, viereckige Schächte wurden um 1450 Pütte genannt. English: pit = Kohlengrube, Kohlenschacht, Zeche

Querschlag

Eine Strecke, die quer zu den Gebirgsschichten aufgefahren wird.

Richtstrecke

Eine gerade Hauptstrecke, die möglichst gleichlaufend mit den Gebirgsschichten aufgefahren wird (im Gegensatz zum Querschlag).

Schlägel und Eisen

Bergmannswappen, schon in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts gebräuchlich: Rechts das Eisen mit einer Spitze (Meißel am Stiel), links der oben etwas gerundete Schlägel. Die Stiele beider Werkzeuge kreuzen sich.

Schlagwetter

Explosives Gemisch von Luft mit Grubengas (2-9%)

Schüttelrutsche

Fördermittel, auf Rollen laufend oder pendelnd aufgehängt; wird durch Pressluft- oder Elektromotor ständig in Längsrichtung vor- und zurückgeschoben. Der Bewegungsvorgang verläuft so, dass das Fördergut nur beim Vorwärtsgang mitgenommen wird.

Seiger

Seigere Schächte sind senkrecht abgeteufte Schächte (Gegensatz: tonnlägig = schräg abwärts)

Seilfahrt

Beförderung von Personen im Schacht mit dem Förderkorb

Seilscheibe

Im Fördergerüst montiertes Speichenrad mit Laufrinnen am ganzen Umfang, über das die von der Fördermaschine kommenden Förderseile zu den Förderkörben laufen. Bei Treibscheiben-Fördermaschinen läuft das Förderseil über eine gerillte Scheibe, die sich um ihre waagerechte Achse dreht.

Sohle

Stockwerk eines Grubengebäudes

Streb

Abbauraum; er wird auf der einen Längsseite von der anstehenden Lagerstätte, auf der anderen vom Alten Mann begrenzt und wandert quer zu seiner Längsrichtung.

Strecke

Grubenbau mit regelmäßigem Querschnitt, der söhlig aufgefahren wird; dient der Fahrung, Wetterführung, Förderung und dem Transport.

Sümpfen

Wiederherrichten eines ersoffenen Grubenbaues.

Tagesanlagen

Alle über Tage stehenden Gebäude einer Zeche

Tagesschacht

Jeder von der Erdoberfläche aus abgeteufte Schacht; im Gegensatz zum Blindschacht, der unter Tage einzelne Sohlen miteinander verbindet.

Teufe

Tiefe

Versatz

Verfüllen der beim Abbau der Flöze entstandenen Hohlräume. Unterschieden werden Eigenversatz (Bruchbau) und Fremdversatz; bei diesem wird das Versatzgut dem zu versetzenden Betriebspunkt von anderen Stellen aus zugeführt.

Waschberge

Bei der Aufbereitung der Kohle anfallendes Bergematerial

Wasserhaltung

Grubenbaue und maschinelle Einrichtungen sowie Rohrleitungen, die dazu dienen, in die Grube eingedrungenes Wasser zu sammeln und zu Tage zu fördern.

Wetterschacht

Schacht der ausschließlich der Bewetterung dient; der Hauptgrubenlüfter steht meist auf der Schachtöffnung

Wetterführung

Maßnahmen, um bestimmte Wetterströme (Luft) zu allen Betriebspunkten unter Tage hin- und dann wieder abzuführen.

Zeche

Bergwerk. Die Bezeichnung Zeche ist alt und will ausdrücken, dass sich mehrere Personen zusammentun mussten, um mit gemeinsamem Geld ein Bergwerksunternehmen zu betrieben. Sie alle bezahlten die "Zeche". Das Wort wird heute in ähnlicher Bedeutung in der allgemeinen Umgangssprache verwendet.